Lotta


Mit meiner Hündin Lotta besuchte ich vom Welpenalter an Hundeschulen und nahm auch Einzelunterricht bei verschiedenen Trainern. Lotta ist heute 2 Jahre alt und bevor ich Silvia Anfang 2010 kennen lernte, war die Situation so schlimm, dass mir viele Leute empfahlen, sie abzugeben. Bestimmte körperliche Einschränkungen machten mir von Anfang an erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit ihr. Niemand konnte mir helfen. Eine Trainerin sagte: Lotta ist ein Labbi, das ist alles völlig normal. Besuch wurde von Lotta massiv belästigt, so manch einer trug Kratzspuren davon. An der Leine konnte ich sie nicht halten, wenn wir einem anderen Hund begegneten oder wenn wir an bestimmten Stellen vorbei kamen zu denen Lotta hin wollte. Einmal lief sie mitten über die Hauptstrasse in einen Bus, „Gott sei Dank ohne Folgen“. Freilaufend machte sie was sie wollte, ein Rückruf war nicht gezielt möglich, Lotta war wild und distanzlos allen gegenüber.

Beim ersten Einzeltrainig bei Silvia wurde mir klar, warum Lotta und ich Probleme hatten. Silvia stellte für mich Verhaltensregeln auf, damit Lotta meine Führung besser akzeptiert. Ich fing an, Lotta an ein Halti zu gewöhnen auf Grund meiner körperlichen Einschränkungen und hielt mich konsequent an die Vorgaben. Mir wurde klar, warum Lotta welche Position mir gegenüber hat und bekam nach und nach ein anderes Bewusstsein für die Situation.

Also wie ist Lotta, wie ist ein Hund wirklich, und warum und wie muss ich in bestimmten Situationen handeln. Dadurch wurde vieles ruhiger und einfacher, so einfach, dass ich nach kurzer Zeit so einige Regeln über den Haufen warf. Ich ließ Lotta wieder laufen, achtete auf viele Kleinigkeiten nicht mehr, … es kam was kommen musste (das weiß ich heute) und Lotta verfiel in ihr altes Verhalten. Ich verlor wieder schnell die Geduld und konnte nicht verstehen warum es nicht so richtig funktionierte. Silvia machte mir schnell klar, dass Lotta und ich zwei Jahre lang vieles falsch gelernt haben und dass dieser Prozess Ausdauer und Konsequenz erfordert.

Sie nahm Lotta 6 Tage lang zu sich. In dieser Zeit stellten sich Dinge heraus, die mir über meinen eigenen Hund nicht bewusst waren. Die beiden Hunde von Silvia spiegelten das ganz klar in ihrem Verhalten Lotta gegenüber wieder, indem sie Lotta die ersten Tage einfach ignorierten. Tag für Tag lernte Lotta, dass sie nur Aufmerksamkeit vom Rudel erhielt wenn sie sich entsprechend einfügt und ruhig und ausgeglichen ist. In einer Gemeinschaft muss sich jeder an Regeln halten, nur so kann es für alle funktionieren. Nach dieser Zeit war Lotta erheblich ruhiger und stabiler, es ging ihr besser. Silvia konnte Lotta Dinge beibringen, die mir das Leben im Alltag erheblich erleichtern.

Zum Beispiel reicht ein Fingerzeig und sie setzt sich automatisch ruhig neben mich und sie stürmt nicht mehr auf mich zu oder an mir vorbei. Vieles kann ich heute an Hand der Körpersprache erkennen und entsprechend reagieren.

Silvia brachte mir bei, warum und wie ich bestimmtes Verhalten unterbrechen kann und muss und das mit einfachen Möglichkeiten.

Wir haben einen konkreten Trainingsplan erstellt. Heute empfinde ich es als Abenteuer Dinge zu lösen und mich mit diesem Hund gemeinsam zu entwickeln. Die Natur gibt die Regeln vor, man muss sich nur öffnen … .

Alles eine Frage der Sichtweise … . Bei jedem Gruppentraining lerne ich mehr über unser Team. Auch die Probleme und Lösungen der anderen Teams helfen mir immer wieder ein Bewusstsein zu bekommen für so manche Umstände.

Wir sind endlich auf dem richtigen Weg.